Traumatherapie

Traumatherapie Essen u. Hagen

Der Begriff des Trauma kommt aus dem Griechischen und bedeutet Wunde, Verletzung. In der Medizin wird darunter eine physische Verletzung verstanden, die durch eine Gewalteinwirkung oder einen Unfall hervorgerufen worden ist. In der Psychotherapie versteht man darunter eine seelische Verletzung, die unterschiedliche Ursachen haben kann. Vor nicht allzu langer Zeit wurde der Begriff des seelischenTrauma ausschließlich für sehr schwerwiegende Ereignisse wie einen Bombenangriff, einen Raubüberfall oder eine Vergewaltigung gebraucht. In letzter Zeit hat sich das gewandelt: Jeder Schock, jedes plötzliche nicht fassbare Ereignis kann nach dem neuen Verständnis eine traumatische Erfahrung auslösen. Das kann schon etwas sein, was aus erwachsener Perspektive harmlos erscheint, während es sich aus kindlicher Perspektive dramatisch anfühlt (z.B. Erlebnisse während und nach der Geburt, plötzliche Abwesenheit einer Bezugsperson, laute nicht einzuordnende Geräusche etc.)

Schock und Traumata gehören zum Leben und zur evolutionären Entwicklung dazu, sowohl bei Menschen als auch bei Tieren. Peter Levine, einer der großen Traumaforscher unserer Zeit, hat bei Tieren beobachtet, wie sie mit Trauma umgehen. Wenn eine Gazelle von einem Löwen angegriffen wird, flieht sie entweder oder verfällt in Schockstarre. Wenn der Löwe aus irgendeinem Grunde von ihr ablassen muss, weil er von einem anderen Tier gestört wird, richtet sich die Gazelle auf, schüttelt sich, d.h. der Körper schüttelt das Trauma ab, und sie setzt ihren Weg fort, als wäre nichts gewesen.

Bei Menschen verhält es sich ein wenig anders, obwohl man sich diese Eigenschaft von Tieren in der Traumatherapie zunutze machen kann. Viele Traumata geschehen in der frühen Kindheit, wo es noch keine Worte gab oder niemand da war, der das Kind emotional auffangen konnte. Das Trauma sucht sich einen Platz im Körper und dort friert diese Situation, die das Kind traumatisch erlebt hat, in einem gewissen Sinne ein. Ein Körperbereich des jungen Kindes kontrahiert und die Energie kann nicht mehr frei fließen. Der Mensch schüttelt das Trauma in der Regel nicht einfach ab, sondern wählt die bestmögliche Strategie, die ihm zur Verfügung steht, um mit dieser Situation fertig zu werden, und verdrängt dann das Ereignis meist ins Unterbewusstsein. Wenn der Erwachsener nun Jahre später eine ähnliche Situationen erlebt, reagiert er genauso wie damals als kleines Kind, das Trauma wird wieder aktiviert und der erwachsene Mensch erlebt die Situation wie in der Gegenwart. In partnerschaftlichen Beziehungen ist das häufig der Fall.
Sinn der Traumatherapie ist es, mit dem Trauma auf eine sanfte Art in Kontakt zu kommen und den Bereich, der eingefroren ist, nach und nach zu „schmelzen“, damit die Energie im Körper-Seele-Geist-System wieder fließen kann, ganz aus dem Traumagedächtnis verschwindet oder Möglichkeiten bietet, um mit der Situation angemessener umzugehen. Inzwischen sind eine ganze Reihe von therapeutischen Ansätzen entwickelt worden, um ein Trauma sichtbar zu machen und im besten Fall aufzulösen.

Entscheidend ist zunächst, herauszufinden, wie schwer die traumatische Erfahrung war, ob sie sich wiederholt hat, wie lange sie gedauert hat, ob Bezugspersonen da waren, ob sie emotional anwesend waren und welche Strategien der junge Mensch zur Verfügung hatte, um mit den frühkindlichen traumatischen Erlebnissen umzugehen.

In der therapeutischen Arbeit schauen wir, wie wir am geeignetsten mit einem Trauma umgehen. Bei sehr schweren traumatischen Erfahrungen muss ggf. eine ärztliche oder klinische Traumatherapie herangezogen werden.

Folgende Möglichkeiten stehen in meiner Praxis zur Verfügung:

    •    Sich gemeinsam auf den traumatisierten Bereich im Körper und die dazu
          auftauchenden Gefühle fein einstimmen und dort verweilen, bis sich der
          Bereich tief und nachhaltig entspannen kann
    •    Beziehungskontakt herstellen, so dass eine neue Erfahrung gemacht werden
          kann und neue neuronale Verbindungen im Gehirn aufgebaut werden können
    •    Körperübungen nach Peter Levine
    •    sanfte Traumaexposition (nur nach Absprache)
    •    Sichere Orte und Anker im Körper finden
    •    Neue vertrauensbildende Maßnahmen entwickeln, die dauerhaft stärkend wirken.
    •    EMDR (Eye Movement Desensitization and Reprocessing),
         d.h. Desensibilisierung und Aufarbeitung durch Augenbewegungen, die im
         Verlauf der Traumatherapie als Methode mit eingebaut wird