Traumatherapeutische Angebote

Die spontane Bewegung in uns allen zielt auf Kontakt. Gleich wie zurückgezogen und isoliert wir möglicherweise sind und angeachtet der Schwere des Traumas, das wir erlebt haben, gibt es – gerade so, wie eine Pflanze sich spontan auf die Sonne zubewegt – in jedem von uns auf der tiefsten Eben einen Impuls in Richtung Verbundenheit

Dr. Laurence Heller
traumatherapie hagen

Der Begriff Trauma kommt aus dem Griechischen und bedeutet Wunde, Verletzung. In der Medizin wird darunter eine physische Verletzung verstanden, die durch eine Gewalteinwirkung oder einen Unfall hervorgerufen worden ist. In der Psychotherapie versteht man darunter eine seelische Verletzung, die unterschiedliche Ursachen haben kann. Vor nicht allzu langer Zeit wurde der Begriff des seelischenTrauma ausschließlich für sehr schwerwiegende Ereignisse wie einen Bombenangriff, einen Raubüberfall oder eine Vergewaltigung gebraucht. In letzter Zeit hat sich das gewandelt: Jeder Schock, jedes plötzliche nicht fassbare Ereignis kann nach dem neuen Verständnis eine traumatische Erfahrung auslösen.
Man bezeichnet diese Art als Schocktrauma. Das kann schon etwas sein, was aus erwachsener Perspektive harmlos erscheint, während es sich aus kindlicher Perspektive dramatisch anfühlt (z.B. Erlebnisse während und nach der Geburt, plötzliche Abwesenheit einer Bezugsperson, laute nicht einzuordnende Geräusche etc.)

Schock und Traumata gehören zum Leben und zur evolutionären Entwicklung dazu, sowohl bei Menschen als auch bei Tieren. Peter Levine, einer der großen Traumaforscher unserer Zeit, hat bei Tieren beobachtet, wie sie unter günstigen Umständen mit Trauma umgehen. Wenn eine Gazelle von einem Löwen angegriffen wird, flieht sie entweder oder verfällt in Schockstarre. Wenn der Löwe aus irgendeinem Grunde von ihr ablassen muss, weil er von einem anderen Tier gestört wird, richtet sich die Gazelle auf, schüttelt sich, d.h. der Körper schüttelt das Trauma ab, und sie setzt ihren Weg fort, als wäre nichts gewesen.

Bei Menschen verhält es sich ein wenig anders, obwohl man sich diese Eigenschaft von Tieren in der Traumatherapie zunutze machen kann. Viele Traumata geschehen in der frühen Kindheit, wo es noch keine Worte gab oder niemand da war, der das Kind emotional auffangen konnte. Das Trauma sucht sich einen Platz im Körper und dort friert diese Situation, die das Kind traumatisch erlebt hat, in einem gewissen Sinne ein. Ein Körperbereich des jungen Kindes kontrahiert und die Energie kann nicht mehr frei fließen. Der Mensch schüttelt das Trauma in der Regel nicht einfach ab, sondern wählt die bestmögliche Strategie, die ihm zur Verfügung steht, um mit dieser Situation fertig zu werden, und verdrängt dann das Ereignis meist ins Unterbewusstsein. Wenn der Erwachsener nun Jahre später eine ähnliche Situationen erlebt, reagiert er genauso wie damals als kleines Kind, das Trauma wird wieder aktiviert und der erwachsene Mensch erlebt die Situation wie in der Gegenwart. Hier geht es vor allem darum, einen sicheren Beziehungsraum anzubieten und den Energiefluss, der seinerzeit ins Stocken geraten ist, wieder ins Fließen zu bringen.

  • Der amerikanische Traumatherapeut Laurence Heller hat diesen Ansatz weiter entwickelt und hier nicht nur einzelne Ereignisse, sondern die Phasen der kindlichen Entwicklung selbst ins Zentrum der Beobachtung und Behandlung gestellt. Dabei hat er festgestellt, dass das junge Kind bestimmte Kernbedürfnisse hat, um sich gesund zu entwickeln. Daraus ergeben sich:
  • Das Bedürfnis nach Kontakt und die Fähigkeit, mit sich und anderen in einem sicheren Kontakt zu sein
  • Das Bedürfnis nach Einstimmung und die Fähigkeit, seine Bedürfnisse zu kennen und zu wissen, wie man sie sich auf nährende Weise erfüllen kann
  • Das Bedürfnis nach Vertrauen und die Fähigkeit zu einem gesunden Vertrauen in andere
  • Das Bedürfnis nach Autonomie und die Fähigkeit, Grenzen zu setzen, klar ja und nein sagen zu können
  • Das Bedürfnis nach Liebe/Sexualität und die Fähigkeit, mit einem offenen Herzen zu leben und liebevolle Beziehungen und eine lebendige Sexualität miteinander zu verbinden.

Negative und ungünstige Erfahrungen, die das Kind über einen längeren Zeitraum macht, nennt Heller Entwicklungstrauma. Ein Kind lernt schon sehr früh, sich an seine Umgebung anzupassen, um geliebt zu werden, weil es von den Erwachsenen und deren Liebe abhängig ist. Wenn seine nächsten Bezugspersonen ihm nicht genügend Kontakt und Wärme gegenüber darbringen, so zieht sich das kleine Wesen schon früh in sich zurück, um nicht weiter aufzufallen oder anderen zur Last zur fallen. In der frühen Entwicklung macht diese Strategie durchaus Sinn, weil das Kind das Intelligenstete tut, um sein Überleben zu sichern. Allerdings ergeben diese Anpasungsleistungen für Erwachsene keinen Sinn mehr, weil einem nun andere Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um in der Welt zurecht zu kommen. Trotzdem denken die Menschen als Erwachsene genau das Gleiche über sich, was sie als Kind gedacht haben, z.B. ich kann alles allein, ich will niemandem zur Last fallen, ich fühle mich nirgendwo zugehörig, ich bin nicht gut genug, um nur einige scham- oder stolzbasierte Identifizierungen zu nennen, wie sie im NARM genannt werden.

Frühe ungünstige Verhaltensweisen der nächsten Beziehungspersonen wie z.B. das Kind schreien lassen oder wenig Körperkontakt erlebt das Baby als eine tiefe Verlassensheitserfahrung. Im erwachsenen Leben sind die Folgen oft in übermäßigen gedanklichen Beschäftigungen zu sehen, Krankheitsbildern wie Depressionen, ADHS und andere Störungen, die meist auf eine frühe Kontaktüberlebensstruktuenr zurückzuführen sind. Daneben sind es mangelnde Einstimmung der Eltern auf das Kind, permanente Zurückweisungen, Demütigungen und Abwertungen, die ebenfalls tiefe Spuren im Traumagedächtnis und im Körper hinterlassen.und eine behutsame Herangehensweise brauchen, um dem jüngeren Ich Möglichkeiten zu bieten, aus seinen früh erlernten Überlebensstrategien und seiner Isolation nach und nach ins Jetzt zurückzufinden.

Heller hat das Neuroaffektive Beziehungsmodell (NARM) zur Heilung von Entwicklungstrauma entwickelt, wo es darum geht, die unbewussten Strategien und Identifizierungen sichtbar zu machen und die innere Not, in der das Kind damals war, deutlich werden zu lassen. In NARM geht es darum, die Selbstwahrnehmung und das Selbstmitgefühl für die kindliche innere Not zu stärken, die Selbstregulierungsmechanismen des Nervensystems aufzubauen und die Ressourcen aufzuspüren, die es in der Jetztzeit möglich machen, anders mit diesen Themen umzugehen und die Identifizierungen aufzulösen. Erfolgreiche Traumatherapie mit NARM heißt, dass eine Reorganisation des gesamten Systems auf der psycho-biologischen Ebene stattfinden kann.

Je nach Bedarf und nach Absprache beziehe ich die Arbeit an der Liege mit ein, um den Klientinnen und Klienten eine entspanntere Möglichkeit zu bieten, über Selbstwahrnehmung und ggf. sanfte Berührungen mit dem Körper und traumatischen Kontraktionen in Kontakt zu kommen.

In meine traumatherapeutische Einzelarbeit beziehe ich darüber hinaus die Psychodynamisch-Imaginative Traumatherapie (PITT) nach Luise Reddemann mit ein. Hier geht es vor allem die heilsame Kraft der Imagination und um Resilienzstärkung.

Inzwischen weiß man, dass Traumata auch über Generationen als Narben vererbt werden können. Schwere Schicksale der Vorfahren (z.B. Flucht oder Vergewaltigung) oder kollektive Ereignisse (z.B. Bombenangriffe im 2. Weltkrieg) können sich im Leben von Klienten als Einschränkung, namenlose Ängste, Depression oder andere psychische Störungen bemerkbar machen. Verstärkt wird das transgenerationale Trauma dadurch, dass die Eltern oder Großeltern u.U. nie darüber gesprochen haben, so dass die Nachgeborenen einschränkende Verhaltensweisen oder Krankheiten sich selbst zuschreiben. Erst die Beschäftigung mit der eigenen Familiengeschichte bringt möglicherweise einiges ans Licht und kann zur Aufklärung und Auflösung von Traumata beitragen.

Folgende Möglichkeiten stehen in meiner Praxis zur Verfügung:

  • Einen sicheren Beziehungsraum anbieten
  • Sich gemeinsam auf den kontrahierten Bereich im Körper und die dazu auftauchenden Körperwahrnehmungen und Gefühle fein einstimmen und Möglichkeiten zur Entladung anbieten
  • Sanfte Traumaexposition (nur nach Absprache)
  • NARM-Traumatherapie nach Laurence Heller
  • Psychodynamisch-Imaginative Traumatherapie nach Luise Reddemann
  • Biographie-Arbeit, Genogrammarbeit, Systemische Aufstellungen.